Langfristiger Erhalt der Arbeitsfähigkeit älterer Pflegekräfte

Einführung und Problembeschreibung
In den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen herrscht ein zunehmender Mangel an qualifizierten Fach- und Hilfskräften. Wichtige Ursachen sind die körperlich und psychisch belastenden Arbeitsbedingungen wie z. B. hohe Arbeitsdichte, schlechte Bezahlung, multimorbide pflegeintensive Klientel, überbordende Dokumentationsanforderungen und Kontrollen sowie ein schlechtes Image der Pflege.

Viele Pflegekräfte leiden sehr unter diesen Bedingungen und reagieren mit Unzufriedenheit, Überforderung, Erschöpfung, Burnout und Krankheit. Häufig sind Berufsausstieg, Langzeiterkrankungen und Erwerbsunfähigkeit die Folge. In vielen Pflegediensten und Pflegeheimen ist inzwischen ein gravierender Personalmangel zu verzeichnen, der durch vermehrte Abwerbung von Fachkräften in Krankenhäuser, vielfache vorzeitige Berentung von Pflegekräften und das geringe Interesse junger Menschen am Pflegeberuf weiter verschärft wird. Der Personalmangel führt bereits heute zu Leistungseinschränkungen im ambulanten und stationären Pflegebereich, die als Vorboten eines sich ankündigenden Pflegenotstandes verstanden werden können. Diese Problematik betrifft auch den Bezirk Steglitz-Zehlendorf.

Ältere Pflegekräfte stellen in Folge der geschilderten Entwicklungen inzwischen häufig den Großteil der Beschäftigten in Pflegeeinrichtungen dar. Sie weisen einerseits aufgrund der langjährigen Berufs- und Lebenserfahrung eine hohe Fach- und Sozialkompetenz auf und leisten damit einen wichtigen Arbeitsbeitrag innerhalb der Pflegeteams. Andererseits lässt die Leistungsfähigkeit mit zunehmendem Alter insbesondere im körperlichen Bereich nach. Belastungen durch hohe Arbeitsdichte, Schichtdienst, schlechte Planbarkeit der Dienstzeiten wegen häufiger Vertretungssituationen und körperliche Anforderungen wie Heben und Tragen können von älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer weniger gut bewältigt werden. Sogenannte „Schonarbeitsplätze“ mit niedrigem Belastungsniveau stehen in der hoch rationalisierten Pflegebranche kaum zur Verfügung. Daher bleiben viele ältere Pflegekräfte entgegen ihrem Wunsch nicht bis zum Erreichen der Altersgrenze in Beschäftigung, sondern scheiden aufgrund von Langzeiterkrankung, vorzeitiger Berentung oder Arbeitslosigkeit vorzeitig aus dem aktiven Berufsleben aus.

Zielsetzung
Um den Bedarf an qualifizierten Pflegekräften langfristig zu sichern und dem Pflegenotstand entgegenzuwirken, sind vielfältige Anstrengungen und Maßnahmen erforderlich. Im Projekt „Langfristiger Erhalt der Arbeitsfähigkeit älterer Pflegekräfte“ soll speziell auf den Erhalt der Arbeitsfähigkeit älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege im Bezirk Steglitz-Zehlendorf eingegangen werden.

Ziel des Projektes ist es, die Arbeitsfähigkeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab 50 / 55 Jahre in der Pflege durch eine Reduzierung der Arbeitsbelastung bis zum Erreichen der Altersgrenze zu erhalten und damit dem Pflegepersonalmangel und dem Pflegenotstand entgegenzuwirken. Wichtige Begleiteffekte können zudem eine Entlastung der Sozialkassen und eine Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs sein.

Projektidee
In Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren (s. u.) werden Konzepten zu folgenden und ggf. weiteren Maßnahmen entwickelt und zur Umsetzung gebracht:

  1. Stufenweise Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit ohne Lohneinbuße Z. B. kontinuierliche Absenkung der wöchentlichen Arbeitszeit ab 55. Lebensjahr bis zum Erreichen der Altersgrenze jährlich um 1 Stunde für Pflegekräfte in der direkten Pflege
  2. Erhöhung der jährlichen Urlaubstage ohne Lohneinbuße Z. B. Erhöhung der jährlichen Urlaubstage ab dem 50. Lebensjahr um 1 Tag pro 2 Lebensjahre.
  3. Förderung von Regeneration und Selbstheilungskräften Z. B. Supervision, gesundheitsfördernde Kurse, Kur alle 3 Jahre, …
  4. Reduzierung der Arbeitsbelastung Z. B. Reduzierung körperlich belastender Arbeiten, Einsatz von Hilfsmitteln, Reduzierung der Arbeitsdichte, Übertragung administrativer und betreuungsbezogener Aufgaben etc.
  5. Weitere


Projektteilnehmer
Das Projekt wird von interessierten Pflegeeinrichtungen des Verbundes für Altenhilfe und Gerontopsychiatrie Steglitz-Zehlendorf initiiert. Für eine Zusammenarbeit und / oder Beteiligung an den entstehenden Kosten (insbesondere Lohnausgleich bei Arbeitszeitreduzierung, Freistellung und Reduzierung der Arbeitsdichte) kommen ggf. folgende Institutionen als Kooperationspartner in Frage:

  • Agentur für Arbeit
  • Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, Abt. Wirtschaft, Abt. Soziales
  • Rentenversicherungsträger
  • Berufsgenossenschaft
  • Krankenversicherungsträger
  • weitere.


Zeitplan
offen; gewünscht: kurz- bis mittelfristig

Ansprechpartner
Bruno Müller, Reha-Steglitz gGmbH, Bergstr. 1, 12169 Berlin; Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Carola Focke, HPW Seniorenresidenzen, Dessauer Str. 1, 12249 Berlin; Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
beide Mitglied im Verbund für Altenhilfe und Gerontopsychiatrie Steglitz-Zehlendorf -